Objekten & der originale Hugo

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In Erinnerung an einen guten Kollegen, solche gibt´s nicht viele.

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Diese Lederschlaufe habe ich mal entdeckt – gefällt mir gut. :-P

Da hat einer eine frappierend einfache Lösung gefunden – DAS ist nämlich am schwierigsten. Deswegen schweife ich gleich mal ab, um das ein wenig zu verdeutlichen.

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Rückblende: Wuppertal, 1972, Firma RiRi, im Werkzeugbau (die Firma gibts in W-tal läääängst nicht mehr. Steht bei “Geschichte” im Link)). Ein junger Facharbeiter hat dort vor seinem Studium so´n knappes Jahr gewerkelt. Er ist für Reparaturen etc. an den Vorrichtungen & Maschinen vor allem in der Montage zuständig.

Der Abteilungsleiter/Meister hat ihn einem ganz erfahrenen, langjährigem Mitarbeiter zugeteilt, der das bis dato alleine gemacht hat. Und der Mann hieß Hugo (Spathmann) – der “junge” hieß Jürgen, das war ich…

Der Hugo war damals “um die knapp 60″ und schon ewig da – bis hinauf zum Betriebsleiter hat er sich mit allen “leitenden” geduzt. Sie wollten ihn einige Male zum Meister der ganzen Abteilung machen, der mochte das aber nicht. Der formale Meister war Industriemeister und hatte wenig bis noch weniger Ahnung – das habe ich bald gemerkt.

Ich mußte einmal ein kleines Werkzeug im Härteofen härten, und habe den Meister nach der Härtetemperatur gefragt – ich dachte, der weiß das sicher aus dem Kopf, wußte er auch:

“Das müssen sie mit 850° härten, Anlassen dann wie üblich, Herr…”

Also habe ich angefangen – aber es wollte und wollte nicht klappen, das Teil ist einfach nicht hart geworden, die Feilprobe zeigte das: 1x, 2x, 3x – dann habe ich aufgehört, zu oft darf man´s nicht versuchen, sonst ist das hinüber. Später kam der Hugo zurück und ich habe ihm dann mein Leid geklagt…

“Mensch, Jürgen – wie kannste denn DEN fragen? Der hat “0” Ahnung und sagt immer 850°… Du mußt mind. auf 900/910° bei dem Material, sonst wird das nie was!”

Gehört, getan – beim ersten “Neuversuch” war die nötige Härte da. Na, da war ich aber froh, das ich den Hugo fragen konnte. Später hat er mir noch gesagt:

“Mit irgendwelchen Fachfragen brauchst du gar nicht zu dem hingehen – wenn du wieder mal eine Härtetemperatur brauchst, dann fragst du mich, wenn ich nicht da bin, dann gehst du zum Meister, leihst dir seine Tabelle aus und guckts da rein. Hör nicht auf ihn, wenn er dir das so sagen will – guck das UNbedingt selber nach!”

Und dieser “Meister” hatte eine Vorrichtung entwickelt, die ich bauen sollte… :cry:

D.h.: eigentlich sollte das der Hugo (wegen seiner Erfahrung) – der hatte aber Zeitmangel vorgeschützt und das auch schlicht abgelehnt, weil er diese Vorrichtung so für unbrauchbar hielt. Und ich saß jetzt auf meinem Schemel und sah mir die Konstruktionszeichnung an – ich bin da NICHT schlau draus geworden.

Die Zeit drängte aber, die in der Produktion brauchten zumindest eine davon so schnell als möglich und haben schon dauernd nachgefragt. Die Meisterin der Abteilung meinte:

“Wenn sie da jetzt für zuständig sind, wieso machen sie nicht neue von denen, die wir schon haben?”

“???????”

“Na, solche – da hat uns der Hugo mal ein paar gemacht, aber ewig halten die auch nicht…”

“Gut, Frau …., ich frag´den Hugo mal, wenn er wieder da ist.”

Gesagt, getan, gefragt. Es war tatsächlich so: der Hugo hatte vor ein paar Jahren auf “Zuruf” so 4 Vorrichtungen gebaut (die waren für das allererste “zuziehen” nach dem Spritzen gedacht) – und da waren alle zufrieden mit.

“Hmm, ich habe aber die Anweisung, die “neuen” zu machen…”

“Jürgen – das wird NIE was! Das du aus den Zeichnungen nicht schlau wirst, das liegt nicht an dir, das liegt an den Zeichnungen. Das KANN so nicht funktionieren…

Weißte was, ich spreche mal mit der Meisterin. Die soll zu unserem “Chef” gehn und den solange nerven, bis er …”

Genau so kam das denn auch – die Meisterin der anderen Abteilung ist gekommen und hat sich ordentlich beschwert, weil sie keine von den “alten” Vorrichtungen in neu bekam. Am nächsten Tag kam dann der Meister mit der Meisterin zu mir:

“Herr ….., in der Produktion gibt es einen Engpaß. Wir können nicht so lange warten, bis die neuen Vorrichtungen fertig sind. Sie müßten auf die Schnelle 2 von diesen nachfertigen.”

Der Hugo stand daneben an seinem Arbeitsplatz und hat nur heimlich gegrinst – der Meister hat so getan, als sähe er den Hugo nicht. Damit war das offiziell, Hugo hat mir dann Tips gegeben, wie ich das am besten mache – Zeichnungen gabs davon nicht, er hatte das im Kopf.

Nach einigen Tagen waren die Vorrichtungen fertig, zwischendurch habe ich sie immer mal wieder dem Hugo gezeigt:

“Du machst das schon, wenn du ziemlich fertig bist, gehste runter und probierst die UNgehärtet aus – frag einfach die Meisterin, das sie dir ein paar Meter Reißverschlüsse gibt – und laß auch mal eine Frau probieren. Dann kannste noch leicht was anpassen, das wirste müssen, weil die RVs breiter sind als die vorherigen.”

So wurde es gemacht, nach einiger Zeit war alles erledigt, die nun fertig gehärteten Vorrichtungen hatte ich abgeliefert – sie funktionierten. Die Zeichnungen für die “meisterlichen” lagen noch eine Zeit da rum, ich hatte sie ganz nach hinten weggeräumt. Irgendwann habe ich sie dem Meister in sein Büro getragen und er hat sie in eine Schublade – die wurden nie wieder erwähnt…

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Aber das “dollste” kam dann 2/3 Wochen später auf mich zu - :???:

ein Ingenieur aus der Konstruktionabteilung kam zu mir und fragte nach dem Hugo, wegen der “neualten” Vorrichtungen.

“Da kann ich ihnen auch Auskunft geben, die letzten habe ich gemacht – demnächst soll ich noch mal zwei fertigen.”

“Jaaa, das ist so – ich soll eine Fertigungszeichnung erstellen, ich habe aber keinerlei Maße etc. – können sie mir ihre Unterlagen geben, damit…”

“Es gibt keine Unterlagen, der Herr Spathman weiß das und ich jetzt auch – er hat das aus seiner Erfahrung gemacht und mir dann weitergegeben.”

“Ja, aber wie soll ich denn da eine Zeichnung machen, das muß doch alles genau stimmen. Material, Maße, Härtetemperatur, und, und…”

“Hmm, kommen sie mal mit. Wir schauen uns das mal in der Abteilung an, wie das da läuft. Die haben jetzt insgesamt 3 von den Teilen – sie können sich sicher eines “ausleihen”, die Maße müssen sie dann für eine Skizze davon per Schieblehre abnehmen. Material, Härtetemps etc. sage ich ihnen dann. Zum Schluß sollten sie Herrn Spathmann noch fragen, was er dazu meint.”

So wurde das auch gemacht, obwohl die “normale” Vorgehensweise ja genau anders herum ist – erst die Zeichnung, dann das Teil. Aber in dem Fall ging´s eben auf verschlungenen Pfaden.

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PS: der “schlaue Meister” ist mir Jahre später bei einem Lehrgang (REFA) wieder begegnet. Iwann hatten sie ihn bei RiRi doch hinauskomplimentiert. Beim Lehrgang wollte er sich in seiner bewährten Art:

“Viel reden täuscht Wissen vor, und reden kann ich ja gut…”

gleich wieder als Kenner profilieren. Es ist ihm aber nicht gelungen – alle haben recht schnell bemerkt, das er fachlich eine “0” war. Nach kurzer Zeit hat ihm der Lehrgangsleiter dann “nahegelegt”, seine Teilnahme zu beenden, weil sein Grundwissen nicht ausreiche um ihn erfolgreich zu absolvieren.

Grüß´dich, OriginalHugo :-P wherever you are – ich schätze mal, eher “oben”.

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